Hinweis: Do. 26.1. Veranstaltung „Die Linken in der Krise“, 19 Uhr pumpe

mit Daniel Dockerill

Donnerstag 26. Januar 2012 | 19 Uhr | die pumpe (Haßstr. 22) Kiel

Mit der durch eine immens erhöhte Staatsverschuldung angetriebenen Krise des Euro ist die Weltwirtschaftskrise, deren ersten dramatischen Höhepunkt wir im Herbst 2008 erlebt haben, in Europa in eine neue Phase eingetreten. Zugleich hat sich, orientiert an der demonstrativen Besetzung des Zucotti-Parks im New Yorker Finanzdistrikt, eine neue Protestszene entwickelt, die durch ähnliche Besetzungen symbolträchtiger Orte in Bankennähe anzeigt, wo sie den Kern des Krisenübels angesiedelt zu wissen glaubt. Auch hier am Kleinen Kiel gibt es zwischen Fördesparkasse und HSH Nordbank ein solches Camp, und in seinem Umfeld hat sich eine Debatte entwickelt über Sinn und Unsinn dieser Fixierung des Protestes auf die „Gier“ von Banken und Finanzmärkten. Eine Fixierung, die sich beileibe nicht beschränkt auf die recht überschaubare Szene der Occupyer, sondern in großen Teilen der politischen Linken zu Hause ist.
Radikal linke Kritiker dieser Krisendeutung bestehen zu Recht darauf, dass das Finanzwesen mit all seinen zum Teil hochspekulativen Auswüchsen zur kapitalistischen Produktionsweise unabdingbar dazugehört und daher dieses kapitalistische Ganze von Kritik und Protest nicht ausgespart werden sollte; dass es also, wie es in einem Aufruf von „Scheißzeit-Movement“ zur Demo am 12. November letzten Jahres heißt, um die „Überwindung der Gesamtscheiße“ zu gehen hätte.

Wie aber könnte sie praktisch werden, diese „Überwindung der Gesamtscheiße“? Wie müssten politische Schritte dazu aussehen, die im Hier und Jetzt sofort gegangen werden können? Die Finanzmarktkritik mag ja durchaus, argumentieren zu deren Gunsten manche Linke, nicht der Gipfel aller Weisheit sein, erbringt aber immerhin ein paar praktische Maßnahmen, für deren Durchsetzung man jetzt sofort mobil machen könne. Aber ist die Sache wirklich so harmlos?

Es tut sich hier ein argumentatives Loch auf, das in aller Regel von Finanzmarktkritikern wie radikal linken Kapitalismuskritikern gleichermaßen weiträumig ausgespart wird. In unserer Veranstaltung soll gezeigt werden, dass die Finanzmarktkritik in mancher Hinsicht namentlich dem deutschen Kapital und seinen Sachwaltern nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch recht gut in den Kram passt. Erweist sich doch die deutsche sogenannte Realwirtschaft im Großen und Ganzen bislang als ausgesprochener Gewinner der Krise. Gegen „Made in Germany“ ist auf Europas Märkten und auch anderswo zurzeit kaum ein Kraut gewachsen.

Wir wollen der Frage nachgehen, wie eine Kapitalismuskritik auszusehen hätte, die nicht nur mit schönen Worten dem Kapital im Allgemeinen den Kampf ansagt, sondern an der Entwicklung einer politischen Kraft arbeitet, die in der Heimat speziell des deutschen Kapitals diesem die Stirn zu bieten in der Lage ist.

Zum Referenten: Daniel Dockerill war an der Gründung der WASG in Kiel maßgeblich beteiligt, zeitweise Mitglied in deren Landesvorstand und ist seit der Fusion 2007 mit der Linkspartei.PDS zur Partei DIE LINKE deren Mitglied. Seit den 90er Jahren hat er sich mit der von Karl Marx begründeten Kritik politischen Ökonomie intensiv beschäftigt und im Rahmen des Zirkulars „übergänge zum Kommunismus“ eine Reihe von Texten zur Rezeption der Marxschen Kritik in der hiesigen Linken (u.a. umfangreiche Kritiken des Ansatzes von Robert Kurz) veröffentlicht.
Im Juni 2010 referierte er an der Kieler Uni auf Einladung des AK Kritischer Studierender, der Linksalternative Liste und des Netzwerks politische Bildung der LINKEN.S-H zur Einführung in das dreibändige Hauptwerk von Karl Marx: „Das Kapital“. Der daran anknüpfende Lesekreis trifft sich noch heute regelmäßig in der Alten Meierei.

Eine Veranstaltung der AG „Scheißzeit-Movement“ in Kooperation mit der Linksjugend [’solid] Kiel.


1 Antwort auf „Hinweis: Do. 26.1. Veranstaltung „Die Linken in der Krise“, 19 Uhr pumpe“


  1. 1 The challenge: Global crisis. Material für eine linke Krisenpolitik « Gegen die kapitalistische GESamtscheiße! Pingback am 06. Februar 2012 um 15:58 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.