… kann die Kritik der Waffen nicht ersetzen.

Eine Replik eines kleinen Teils der Anti-GES-Koordination zum „Diskussionsbeitrag anlässlich der Anti-GES-Kampagnen“ von Einigen vom Arbeitskreis kritischer Studierender Kiel (AK Kiel).


Als ein Kerngeschäft des AK Kiel kann die Ideologiekritik begriffen werden: entgegen einem fetischisierten Bildungsbegriff (siehe Flugblatt „Bildung boykottieren!“, Mai/Juni 2009), in Beschäftigung mit staatlicher Autorität & religiöser Indoktrinierung (z.B. die Veranstaltungen „Politologentrug. Ideologiekritik der Extremismus-Legende“ (SoSe 2010) oder den Workshop-Tag zur Religionskritik am 11.5.2011), und, ganz zentral natürlich, entgegen einer „verkürzten Kapitalismuskritik“ (in diversen Veranstaltungen, als fester theoretischer Argumentationsgröße, wie z.B. in der aus dem AK Kiel Umfeld stammenden Positionierung „Die vom anderen Ufer“ zur Debatte um den Mord in Kiel-Gaarden Anfang 2011). Dezidierte Ideologiekritik – wahrlich unter anderen Vorzeichen und mit anderen Inhalten – wird spätestens seit 2009 nun auch von anderer Seite innerhalb der linken Szene Kiels aus betrieben: gemeint sind die Kampagnen gegen das „Global Economic Symposium“ (GES). Schon allein die enge Anbindung der Kieler Uni an dieses Event durch den Ausrichter, das an die CAU angegliederte „Institut für Weltwirtschaft“ (IfW), nährte bereits die Hoffnung der „GES-Protestkoordination“ (2009), die aktivste und theoretisch versierteste links-emanzipatorische Gruppe an der Kieler Uni – den AK Kiel – in die Proteste oder zumindest bei der Entwicklung der Kritik einbinden zu können. Diese Hoffnung bzw. auch Erwartung wurde sowohl 2009 wie auch 2011 enttäuscht. Nun meldete sich der AK Kiel in der Endphase der Anti-GES-Kampagne 2011 erstmals mit einem Beitrag rund um das GES zu Wort – allerdings kaum anhand einer Auseinandersetzung mit dem Symposium selbst (dies wird in wenigen Worten bewerkstelligt), sondern in Form einer ausführlichen Kritik am Ideologiebegriff der Anti-Ges-Kampagnen von 2009 und 2011.

Der Inhalt dieser Kritik offenbart allerdings, dass es möglicherweise tatsächlich zwischen der „GES-Protestkoordination“ (2009) bzw. der „Anti-GES-Koordination“ (2011) und dem AK Kiel zu viel Trennendes hinsichtlich dem Verständnis von Begriffen wie „Herrschaft“, „Klasse“ und daraus resultierend natürlich auch „Ideologie“ gibt, als dass eine Teilnahme des AK Kiel in den jeweiligen Kampagnen hätte Früchte tragen können. Diese Feststellung ist nicht Ausdruck gekränktem Stolzes oder verletzter Gefühle aufgrund unerwiderter Wertschätzung, sondern entspringt der ernsthaften Auseinandersetzung mit der von Seiten des AK Kiel geäußerten Positionen; der „Diskussionsbeitrag anlässlich der Anti-GES-Kampagnen“ ist ein starkes Papier, dessen Lektüre sich lohnt und entlang dem sich relevante politische Debatten entspinnen können. Wie auch schon vom AK Kiel in dem besagten Text erwähnt, wird hier eine Diskussion um das Verhältnis von materieller Wirklichkeit, Bewusstsein und politischen Interventionsmöglichkeiten geführt, wie sie auch in den Debatten rund um die mediale und politische Rezeption des Mordes in Kiel-Gaarden Anfang 2011 angestoßen wurde (siehe Flugblatt „Die Kieler Nachrichten, der AStA, „Die Linke“ und der „Kieler Bandenterror“" und die darauf bezugnehmenden Texte „Die vom anderen Ufer“ & „Le FIN de Nous“). Wie von den „Gaardener AnwohnerInnen“ werden auch von den Anti-GES-Kampangen 2009 & 2011 materielle Grundlagen ideologischen Bewusstseins in konkreten Herrschaftsmechanismen (Medien & Politik) thematisiert und sich in einer greifbaren politischen Intervention versucht – dem AK Kiel jedoch stellt sich dies bei beiden Thematiken vielmehr als die händeringende Suche nach einem politischem Feind dar, was, so die Kritik des AK Kiel, jeweils in einer verfehlten Konstruktionsleistung ende. Dagegen hält der AK Kiel fest: „Kapitalismus funktioniert nicht als repressive Einbahnstraße“. Um rhetorische Auflockerung ihres Textes bemüht, bezieht sich der „Diskussionsbeitrag anlässlich der Anti-GES-Kampagnen“ des AK Kiel auf das Symbol ihres RH-Cup-Fußballteams „Lokomotive Lustprinzip“: Dem lächelnden Deutsche Bank Chef Josef Ackermann mit Victory Zeichen, unterschrieben mit dem Slogan „Don’t hate the player – hate the game“. Ein durchaus passendes Bild, vor allem was die gute Laune des Global Players angeht. Im Folgenden soll es lediglich um das hier zum Ausdruck kommende Verständnis des AK Kiel von Herrschaft-Klasse-Ideologie gehen. Die Ausführungen des AK Kiel zum „linken Aufstandsfetischismus“, der verkürzten politischen Rezeption der Form (fliegende Steine, brennende Autos etc.) und festgefahrenen Sichtweisen auf „die arabische Welt“ werden von dem diese Zeilen produzierenden „kleinen Teil der Anti-GES Koordination“ grundsätzlich geteilt (hier drückt sich auch die Heterogenität v.a. innerhalb der Anti-GES-Koordination von 2011 aus).

Der AK Kiel betreibt eine zweigleisige Marx-Rezeption: Zum einen solle Marx hinsichtlich der Konstituierung von „falschem Bewusstsein“ ernst genommen werden: hier ginge es um NOTWENDIGES falsches Bewusstsein, welches sich in erster Linie in Alltagsbeziehungen ausdrücke, sprich: Ideologieproduzent_Innen sind die (ausgebeuteten) Subjekte selbst. Die Semantik der Anti-GES-Kampagnen, in der das Symposium als „Ideologiemaschinerie“ (2009) bzw. „Ideologieschmiede“ (2011) erscheint, ist somit im Text des AK Kiel natürlich mit einem einfachen theoretischen Handgriff erledigt. Zum anderen stellt der AK Kiel dann aber eine Klassenanalyse an, die den heutigen Verhältnissen Rechnung tragen soll und gleichzeitig den der Anti-GES-Kampagnen inhärenten Klassenbegriff als veraltet da stehen lässt: der in Vorlesung und Seminar „Einführung in die soziologische Strukturanalyse“ vorgegebenen Chronologie auf Schritt und Tritt folgend, setzt der AK Kiel Klassen und ihre Strukturen nach `45 als in verschiedene „Lebensstilmodelle“ aufgelöst. Begriffe, wie sie im Soziologie-Grundstudium auf breiter Linie verballert werden, bestimmen denn auch die weitere Analyse: „Verschiedenen Modelle von Identität“, die „jenseits von Klassenkollektiven“ funktionieren, konkurrieren in diesem Verständnis von Gesellschaft als Ausdrücke „sozialer Mobilität“ – tatsächlich spricht der AK Kiel hier nicht von Ideologie, sondern von gesellschaftlicher Realität. Die Gesellschaftskritik des AK Kiel funktioniert nun derart, dass die vorgebliche Befreiung aus den Klassenverhältnissen nur im Rahmen von SELBSTausbeutung (zwecks Selbstakkumulation?), Konkurrenz und sozialer Atomisierung stattgefunden habe. Der AK Kiel verabschiedet sich von der politischen Ökonomie: Während das Sozialatom in der moderneren Kritischen Theorie eine rein ideologische Größe ist, die den gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang (bzw. die Gesamtscheiße) verschleiert und als Projektionsfläche für die Winner/Loser Mentalität des Neoliberalismus fungiert, nimmt der AK Kiel die sozial-atomisierte Gesellschaft als Grundlage des derzeitigen Kapitalismus an, quasi als das derzeitige Produktionsmodell. Hier werden Ursache und Wirkung, wie sie im eigentlichen Sozialatom-Konzept vorzufinden sind, vertauscht: Im Zuge der globalen Krise des Keynesianismus in den 1970’er Jahren, dem ein Gesellschaftskonzept als Synthese aus Staat und Markt zu Grunde lag, wurde gegen erheblichen politischen und gewerkschaftlichen Widerstand in Westeuropa und den USA eine enorm verschärfte Konkurrenzsituation zwischen den abhängig Beschäftigten – ja, sagen wir mal: der Arbeiter_Innenklasse – etabliert. Dies wird heutzutage „Neoliberalismus“ genannt. Der Widerstand der Gewerkschaften, unabhängiger Arbeiter_Innen und sozialer Bewegungen wurde häufig genug polizeistaatlich-militärisch, aber eben auch, und nun nähern wir uns des Pudels Kern, ideologisch gebrochen: Anstelle eines Verständnisses von politischer Ökonomie, welches hinter ökonomischen Strukturen eben auch Herrschaftsverhältnisse wahrzunehmen in Lage ist, wurde und wird massiv das Leitbild der „Eigenverantwortung“ propagiert. Die politische Rhetorik spätestens seit den 80’er Jahren appelliert beständig an eine „survival oft he fittest“ Mentalität, welche auf kollektiver Basis dann wohl dem entspricht, was der AK Kiel als „regressive Krisenlösung“ versteht.

Hinsichtlich des „Diskussionsbeitrages anlässlich der Anti-GES-Kampangen“ des AK Kiel ist nun zweierlei bezeichnend: Erstens werden in der historischen Hinleitung zur eigenen Analyse (wie es im Grundstudium der Soziologie auch der Fall ist) sämtliche gesellschaftlichen Kämpfe der 70’er/80’er Jahre geflissentlich übergangen; die individuellen Befreiungskonzepte „der“ ´68’er werden angeblich weitestgehend umgesetzt und lediglich kapitalistisch konnotiert. Nur so kann das sozial-atomisierte Individuum nicht als ideologisches Ideal einer hegemonialen kapitalistischen Gesellschaft, sondern als tatsächlicher Produzent und Träger der Ökonomie verstanden werden: Ohne Verhältnis zu den Produktionsmitteln und der politischen Struktur, steht es nur durch Konkurrenzsituation im Austausch mit der Umwelt und funktioniert durch Selbstausbeutung und Selbstrationalisierung; es existiert allein eine ökonomische Verwaltung, die sich „Diversity Management“ nennt (in welchem sich Soziologie-Student_Innen ausbilden lassen können). Der AK Kiel hat also das Gesellschaftskonzept des Neoliberalismus, welches die gedankliche Konstruktion vom Sozialatom eigentlich in der Tradition der Theorie der Politischen Ökonomie kritisch auflösen sollte, soweit verinnerlicht, als dass diese Gruppe nun „falsches Bewusstsein“ paradoxer Weise als zutreffende soziale Realität mystifiziert.
Zweitens, und dies bestätigt das so eben getroffene Urteil nur noch, werden auch die materiellen Verhältnisse außerhalb der so genannten „Industrienationen“ (ein veralteter Begriff, jedoch nicht weniger pauschalisierend als „Erste Welt“ oder „Nördliche Hemisphäre“) in der Auseinandersetzung mit der Entwicklung des Kapitalismus nicht angesprochen. Im Aufruf der Anti-Ges-Koordination (2011) mögen sich einige zweifelhafte Passagen über die dort so genannte „südliche Hemisphäre“ finden lassen (was der Text des AK Kiel natürlich auch aufgreift), dennoch: hier wird zumindest versucht, sich außerhalb von gedanklichen Ordnungsmustern der modernen Soziologie mit materieller Realität auseinanderzusetzen. Gerade in Beschäftigung mit dem GES, einem Think Tank, welcher globale Verhältnisse im Rahmen der herrschenden Ordnung reflektiert, stellt sich schon die Frage: In Zeiten einer nie da gewesenen Quantität an weltweiter Akkordarbeit zur Herstellung von Waren, mit denen eine so große Menge an Kapital akkumuliert wird, dass die Finanzmärkte in immer kürzeren Abständen an ihrer Masse zusammenbrechen – akkumuliert, ja, tatsächlich, durch die Abschöpfung des Mehrwerts der Arbeitskraft, und zwar nicht zu Händen der sich angeblich Selbstausbeutenden, sondern zu Buche schlagend in den Bilanzen von Konzernen, deren Macht und Größe sich Marx nicht einmal hätte eralpträumen können – da wird innerhalb der „Metropolenlinken“ (aus dem Aufruf der Anti-GES-Koordination 2011) der politische Charakter der Ökonomie geleugnet und in „Diversitys Management“ und „konkurrierende Lebensstile“ hineinmystifiziert?! Dass sich dies ja nun nur auf die deutschen Verhältnisse beziehe, ist ein naheliegender Einwand. Doch dem AK Kiel dürfte doch klar sein: genau diese globalen Verhältnisse sind der unmittelbare Charakter der gegenwärtigen ökonomischen Struktur, und vor diesem Hintergrund sind „Auflösung der Klassen“ und das Bild eines allgemeinen gesellschaftlichen Subjekts als konkurrenzbasiertes, selbstausbeutendes Sozialatom nur eines: pure Ideologie.

Nun zurück zum lächelnden Ackermann als Wappen der „Lokomotive Lustprinzip“. Mit der angeblichen Auflösung der Klassen erledigt sich natürlich für den AK Kiel auch das, was für Marx, wenn wir ihn denn „ernst nehmen“ wollen, Konsequenz jeder Aufklärung war: Das Freilegen der Klassenverhältnisse und der jeweiligen Interessen, hin zu einer politischen Praxis – dem Klassenkampf. Eine martialische Rhetorik, mit der verständlicher Weise so Manche_R Probleme hat. Doch begnügen wir uns zunächst mit Aufklärung. Denn bedauerlicher Weise fällt der AK Kiel in seiner aufwendigen Kritik in manchen Teilen noch hinter vulgär-globalisierungskritische Positionen wie denen Attacks, des DGB oder der Linkspartei zurück: Wie kann sich so ausführlich mit dem Problem der Ideologie auseinander gesetzt werden, und dabei nun einmal real existente Instanzen wie die Bertelsmannstiftung, den BdA oder Kampagnen wie die der „Neuen Sozialen Marktwirtschaft“ oder „Du bist Deutschland“ gänzlich ignoriert werden? Die Stoßrichtung der hiermit eingeschlagenen Argumentation zielt auf eine Oberfläche, die der AK Kiel in seinem „Diskussionsbeitrag“ ganz zu Anfang als „Offensichtlichkeit“ abtut. Doch damit setzt der AK Kiel ein undurchschaubares A Priori: Wie lässt sich denn erstmal bewusste Ideologieproduktion (gegen welche sich die Anti-GES-Kampagnen wendeten) erfassen und erklären, bevor sich in bester `68’er Tradition dem „Unbewussten“ des Menschen per se, also der Psychologisierung und Pathologisierung der Subjekte angenommen wird? „[Es ist] kein vollständig unbewusster Prozess, die Ideologien werden als vermeintlich notwendig rationalisiert“, ist die einzige Antwort, die sich im Text des AK Kiel finden lässt.
Dem AK Kiel soll an dieser Stelle einfach mal eine außer Verhältnis geratene Beziehung zwischen Induktion und Deduktion unterstellt werden: Es kann nicht sein, was nicht sein darf! Sprich: Ein Bewusstsein von politischer Ökonomie als Planungsgröße in den Vorstandszimmern der Industrie, flankiert im Austausch mit der Politik, erscheint dem AK Kiel entweder als zu vernachlässigender Umstand, oder gar überhaupt nicht existent. Doch der Erklärungsansatz des AK Kiel, auch wenn sich im „Diskussionsbeitrag“ u.a. auf die Krise des Kapitalismus bezogen wird, lässt zu viele drängende Fragen offen. Wie kann es sein, dass sich das Bewusstsein der Sozialatome – für den AK Kiel die Subjekte – immer so zeitgleich mit den verschiedenen Phasen kapitalistischer Akkumulation verändert, wenn es doch nur die ökonomische Ordnungsinstanz des „Diversity Management“ gibt? Platt gefragt: Wie kann es sein, dass außerhalb Deutschlands Ökonomen/_Innen und Medien die deutsche Überproduktion an Waren und den Lohnverzicht deutscher Arbeitnehmer_Innen als wahren Krisenherd innerhalb der Euro Zone ausmachen, aber nicht minder gebildete und ökonomisch bewanderte Politiker_Innen, Medienvertreter_Innen und Wirtschaftsbosse in Deutschland vehement von „faulen und korrupten Südländern“ schwafeln? Hat Ackermann wirklich so wenig Ahnung, als dass er tatsächlich daran glaubt, wenn er das „Schattenbankensystem“ für die Finanzkrise verantwortlich machen will (in seinem Text zum GES 2009). Was ist davon zu halten, wenn Wirtschaftsunternehmen und Politik in aufwendigen Kampagnen das Wort „sozial“ definieren als „alles, was Arbeit schafft“, wenn der gleiche illustre Kreis Millionen investiert, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass ein_e Jede_r dem Staat etwas zurückgeben solle?

Natürlich: Das Wort „Ideologieproduktion“ suggeriert, dass „falsches Bewusstsein“ monokausal „von oben“ als Fabrikat auf die entleerten Köpfe der Subjekte verteilt wird. Ein solcher Ideologiebegriff greift aber ebenso zu kurz wie die Analyse des AK Kiel: Zumindest im Bewusstsein der Unternehmensführungen und Politik – dürfen wir sie Bourgeoisie nennen? – scheint die Drohung einer sich selbst bewussten „Klasse“ oder auch „Schicht“ als zu befürchtende politische Kategorie angesichts der globalen Krise des Kapitalismus durchaus zu existieren. In genau diesem Kontext findet die Ideologiekritik der Anti-GES-Kampagnen statt. Die technisch-rationale Verwaltung der kapitalistischen Verhältnisse, in deren Rahmen natürlich auch Selbstausbeutung und Konkurrenz zwischen den Subjekten stattfindet, ist ein weiterer Baustein in der Beschäftigung mit dem GES. Der Komplexität dieser Themen kann ein politischer Aufruf mit Sicherheit nie gerecht werden, und so gesehen ist der „Diskussionsbeitrag anlässlich der Anti-GES-Proteste“ sicherlich auch eine notwendige Vertiefung der Thematik. Doch die Verengung der Sichtweise auf die „Subjektebene“ (allein dieser performative Schritt geht von einem ideologischen Grundsatz des Neoliberalismus aus: der grundsätzlichen „Gleichheit“, a historisch, quasi „vor Gott“) vermag die mediale Krisenrezeption als Kongruent ökonomischem und politischem Krisenmanagement nicht zu erklären.

Auch wenn dies am Weitesten von dem zu liegen scheint, was sich der AK Kiel als politische Praxis wünscht: Die Konsequenz aus einem Ideologiebegriff, der sich von dem politischen Charakter der kapitalistischen Produktionsweise löst, ist eine schon bald esoterische Abkehr von der gesellschaftlichen Materialität: ‚Wir müssen unser Bewusstsein verändern, um die Welt zu verändern; es liegt an jedem einzelnen – entkoppele dich von deinen falschen Bedürfnissen (Konsum), lebe antiautoritär, und schon lösen sich die Autoritäten auf.‘ Anstatt Aufbegehren gegen konkrete Ausbeutungsverhältnisse – Tarifverträge, Korporatismus der Gewerkschaften, Eigentumsverhältnisse – Kampf gegen ‚Selbstausbeutung‘?! Hier wird der Text des AK Kiel natürlich absichtlich fehlinterpretiert. Doch hinsichtlich einer politischen Praxis könnte genau dies die Gefahr eines Ausklammerns konkreter Herrschaftszusammenhänge bedeuten.


1 Antwort auf „… kann die Kritik der Waffen nicht ersetzen.“


  1. 1 Freunde der Subsistenzpiraterie « Pingback am 11. Oktober 2011 um 18:57 Uhr
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